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Laura: „MINT studieren?“ Muss nicht immer sein – Oder wie ich beim praktischen „einfach probieren“ geblieben bin

Mein Name ist Laura Güldner, ich bin 20 Jahre alt und habe im Jahrgang 2016/17 das Niedersachsen-Technikum an der TU Braunschweig absolviert. Mein kooperierendes Unternehmen war die Bühler GmbH Braunschweig.

Nachdem ich 2016 mein Abitur am Gymnasium Martino-Katharineum in Braunschweig, auf dem ich zuvor in einer Mat-Nat-Klasse gewesen bin, gemacht habe, wollte ich danach ein Jahr etwas anderes machen, bevor es dann mit „irgendetwas“ losgeht … Denn genau da lag - wie bei vielen in dieser Zeit nach dem Abitur - mein Problem: Was mache ich denn nur?

Eigentlich war das für mich nämlich immer sehr klar: Ich wollte Fluglotsin werden. Leider ein sehr ausgefallener Berufswunsch und ich war zum Glück realistisch genug, mich parallel zu diesem Auswahlverfahren für das Niedersachsen-Technikum zu bewerben.

 

Darauf war ich durch eine Infoveranstaltung in unserer Schule, die unsere Jahrgangssprecher des Abiturjahrgangs organisiert hatten, aufmerksam geworden. Die Koordinatorin in Braunschweig, Britta Böckmann, war mir direkt sympathisch und ich beschloss, mich näher auf der Internetseite zu informieren und schickte meine Bewerbung ab. Das klappte auch sofort ohne irgendwelche Assessment-Center. :)

 

Und es war wirklich das Beste, was mir passieren konnte!

Denn dadurch gelangte ich wie gesagt zu Bühler, einem schweizer Maschinenbauunternehmen. Ich hatte mich zwar vor dem Gespräch mit Britta über die Unternehmen, die auf der Internetseite aufgeführt wurden, informiert und liebäugelte natürlich mit dem DLR, Airbus oder sonst irgendetwas Flughafen-nahem.

Aber erst im Gespräch wurde mir dann Bühler vorgeschlagen, die sich in meinem Jahrgang das erste Mal am Niedersachsen Technikum beteiligt haben.

Die Verbindung von Maschinenbau (was ich mir schon immer grob vorstellen konnte zu studieren) und der Lebensmittelindustrie hat mich sofort fasziniert.

Denn schon in der Schule habe ich mich im Seminarfach mit Lebensmitteltechnik beschäftigt und fand das sehr interessant.

 

Ganz besonders positiv ist mir die allgemeine Stimmung während des Technikums in Erinnerung geblieben, die immer super-entspannt, aber auch produktiv war. Der Zusammenhalt in der Gruppe war wirklich beeindruckend, obwohl wir uns nur einmal die Woche sahen und uns vorher fast alle noch nicht kannten. Auch die Exkursionen in verschiedene Bereiche an den Hochschultagen waren sehr abwechslungsreich.

 

Im Praktikum habe ich mich dann vor allem erstmal mit dem Computerprogramm AutoCAD beschäftigt und gelernt, wie man technische Zeichnung erstellt. Aber ich habe auch viel von laufenden Projekten bei Kunden mitbekommen. Mein Projekt war dann die Erstellung von Modellen für verschiedene Varianten von Elevatorausläufen, die an Maschinen von Bühler eingebaut werden. Diese 3D-Modelle werden für die Anlagenplanung gebraucht und dort dann in die Zeichnungen eingebaut. Mal sehen, wann mir das erste Mal einer „meiner“ Ausläufe unterkommt ;)

 

Heute bin ich immer noch hier und es gefällt mir wirklich sehr gut!

Ich habe mich noch während der Technikumszeit für eine Ausbildung bei Bühler zur technischen Systemplanerin für Stahl- und Metallbautechnik beworben, für das nächste Jahr dann quasi.

Denn das größte Problem, was ich immer damit hatte, einfach Maschinenbau zu studieren, war, dass ich nicht wirklich wusste, worauf das dann hinausläuft … Mir war so ein reines Studium immer zu vage, weshalb ich mich parallel z.B. auch beim DLR oder beim Zoll für duale Studiengänge bzw. Beamtenlaufbahnen beworben hatte. Aber wie schon gesagt, Assessmentcenter und Vorstellungsgespräche sind einfach nicht mein Ding …

 

Daher war das Praktikum bei Bühler wirklich mein Glückstreffer! Ich wusste genau, was mich nach der Ausbildung im Beruf erwarten würde, weil ich genau das ja schon im Praktikum jeden Tag tat (gut, eher dabei half :D ). Ich konnte alle ausquetschen und mit meinen jetzigen Mitauszubildenden sprechen. Ich war auch schon in der Lehrwerkstatt, um eigentlich mein Grundpraktikum für das Maschinenbau-Studium anzufangen, was mir auch nochmal gezeigt hat, dass das wirklich mein Ding ist, trotz oder gerade weil „Männerwelt“.

 

Ich musste natürlich trotzdem noch einen Einstellungstest machen und ein Gespräch führen, aber am Ende wurde mir sogar angeboten, gleich im Anschluss an das Praktikum die Ausbildung zu beginnen und somit in das erste Lehrjahr mit einzusteigen. Durch mein Abitur war dieses Verkürzen am Anfang ohne Probleme möglich und meine Jungs haben mir sehr gut geholfen, den verpassten Stoff nachzuholen.

 

Jetzt habe ich gerade den ersten Teil meiner Abschlussprüfung hinter mir und warte gespannt auf das Ergebnis … Und wenn alles gut läuft, bin ich in einem Jahr, also drei Jahre nach meinem Abitur bereits fertig mit der Ausbildung. Dann wäre natürlich immer noch genug Zeit, noch zu studieren, falls man das möchte.

Ich kann wirklich jedem eine Ausbildung empfehlen! An meiner Schule ist es leider immer etwas kurz gekommen, über „ganz normale“ Ausbildungen zu informieren. Vielleicht, weil sie ein reines Gymnasium ist. Aber auch da steuere ich fleißig gegen und war schon da, um den neuen Abiturienten von meiner Ausbildung zu berichten.

 

Ich selbst hoffe aber natürlich auf eine Übernahme nach der Ausbildung und könnte mir vorstellen, erstmal ein paar Jahre zu arbeiten und dann vielleicht noch einen Techniker zu machen oder doch noch zu studieren. Auch ins Ausland würde ich gerne mal für eine längere Zeit, da bin ich bei einem internationalen Unternehmen ja schon mal nicht ganz falsch. 

Aber mal sehen, was mir über den Weg läuft, die besten Dinge sind ja scheinbar die, mit denen man „nur mal ein Jahr was anderes machen wollte“ …